Wohnungskatzen in Einzelhaltung – Verhaltensstörung durch Isolation

By | 26. Dezember 2014

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Werden Katzen die eigentlich ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten haben über längere Zeit als Einzeltiere gehalten, oder zu früh von Mutter/Geschwistern/gleichaltrigen Kitten getrennt kommt es zu einem Lern- und Erfahrungs-Entzug.

Dadurch können verschiedene Verhaltensstörungen auftreten. Diese werden bei sozial isolierten Tieren als Deprivationsschäden bezeichnet und sind meist nur sehr schwer und durch viel Arbeit zu beheben.

Diese Schäden können sich u.a. durch Ängste, stereotypen Verhaltensweisen (u.a. Pica, krankhaftes Putzverhalten, krankhaftes Essverhalten), Hyperaktivität, Hypersexualität, aggressivem Verhalten, Depressionen und Phobien bemerkbar machen.

Wir Menschen erkennen diese Störungen häufig nicht, weil Verhaltensweisen wie übermäßiges Fressen, häufiges Ruhen und Schlafen oder extreme Anhänglichkeit für uns nicht so negativ sind wie z.B. an Möbel oder Tapete kratzen, Urinmarkieren, Beiß- und Kratzattacken.

Aber auch wenn der Mensch es nicht bemerkt oder durch falsche Interpretation glaubt die Katze könne nicht glücklicher sein, bedeutet das leider nicht, dass das Tier nicht leidet.

Sie mag zwar das beste Futter, die schönsten Körbchen und täglich mehrere Stunden Aufmerksamkeit von „ihrem“ Menschen bekommen.

Aber

Im Gegensatz zu uns die Arbeit, Freunde und Unterhaltung im Internet haben.

Haben Wohnungskatzen nichts von all dem. Keine Aufgaben die sie erledigen können/müssen, kein Entertainment, außer die paar Stunden die der Mensch sich mit Aktionspielen beschäftigt. Vor allem aber keinen artgleichen Sozialpartner.

Man sollte sich immer vor Augen halten dass besonders Katzen in reiner Wohnungshaltung keine sozialen Kontakte pflegen können. Das macht auf Dauer leider krank. Da hilft auch kein Hund oder Kind als möglicher „Ersatz“ da es einfach nicht das Gleiche ist.

Ohne die Katze nun vermenschlichen zu wollen. Muss ich sagen: wir würden uns alleine unter artfremden auch sehr einsam fühlen. Was früher oder später auch bei uns zu seelischen Schäden führen würde.

Das ist bei Katzen nicht anders.

Solltet ihr also einen einsamen Stubentiger zu Hause haben. Dann überlegt euch einfach mal ob ihr nicht noch einem weiteren Stubentiger (aus dem Tieschutz vielleicht?) ein schönes Plätzchen auf dem Sofa bieten wollt.

Es lohnt sich!

Schon mehrfach versucht aber immer wieder gescheitert?

Allerdings gilt eine Vergesellschaftung erst nach mehreren Monaten als gescheitert.

Es gibt leider auch Katzen die sich durch gewisse Umstände nicht mehr so einfach Vergesellschaften lassen. Da könnte euch ein Profi helfen. Entweder eine erfahrene Kraft aus dem Tierschutz/Katzenschutzbereich oder eine Tierpsychologin mit dem Schwerpunkt Katzenpsychologie. Erfahrene Menschen haben doch immer noch ein paar Tricks mehr in der Tasche und sehen die Situation aus einem anderen Blickwinkel als man selbst.

In diesem Sinne hoffentlich viel Erfolg und Freude mit den glücklichen Stubentiegern. 😉

Tipps:

Grundsätzlich sollte man bei der Vergesellschaftung von Katzen auf ähnliches Alter, gleiches Geschlecht und ähnlichen Charakter achten.

Also keine Kitten zu adulten Katzen und keine aktive adulte Katze zu einer ruhigen Katze im Seniorenalter.

Denn da ist das Energielevel einfach zu unterschiedlich.

Selbst eine sehr verspielte adulte Katze wird irgendwann von dem sehr ausgeprägten Spieltrieb eines Kittens genervt sein und das kann dann auch wieder zu Problemen führen 🙂

Toller Lesestoff zu dem Thema:

Katzenzusammenführung

Katzenzusammenführung mit Herz und Verstand – Christine Hauschild 2014

24 thoughts on “Wohnungskatzen in Einzelhaltung – Verhaltensstörung durch Isolation

  1. Pingback: Krallenwetzen? Nicht immer; oft ist es Kratzmarkieren - Artgerechtes-Katzenleben.de

  2. gudrun bullmann

    Ich habe eine eigene katze und immer pflege kstzen bei mir hat die vergesellschaftung bisher nicht geklappt !!! Jede katze wird angefaucht und mit der pfote hingepratzt

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    1. Heike

      Man setzt auch eine fremde Katze nicht einfach dazu! Das klappt höchstens bei Jungkatzen. Gibt genug Tipps im Internet, wie man bei ausgewachsenen Katzen vorgeht, ohne dass die Fetzen fliegen.

      Reply
  3. Chris

    Die Vergesellschaftung kann Wochen und Monate dauern!
    Ohne Erfolgsgarantie!

    Wenn Deine eigene Katze immer wieder neue Artgenossen erdulden muss, ist sie natürlich nicht glücklich.

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  4. Sarah

    Ich habe eine Katze aus dem Tierheim.
    Sie wurde im Tierheim von anderen Katzen „gemobbt“ ( Wortlaut aus dem Tierheim) und es wurde darum gebeten, sie als Einzelkatze zu halten….
    Ich möchte ihr ein schönes Leben ermöglichen, weiss leider nicht, was richtig oder falsch ist…soll sie alleine bleiben? Oder soll ich es darauf ankommen lassen? Was ist, wenn es nicht klappt? Dann kann ich doch nicht die neue Katze einfach so wie einen Gegenstand zurückgeben/austauschen 🙁
    :-(((

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    1. Angelika

      Hallo Sarah,
      eine Bekannte von mir hat auch einen Kater aus einem TH als Einzeltier vermittelt bekommen. Als sie ihn einige Wochen lang hatte, zeigte der Kater zunehmend Auffälligkeiten, wie sie typisch sind für Katzen, die die Einzelhaltung nicht gewöhnt sind. Sie wandte sich an unseren Katzenschutzverein und bekam von uns einen verträglichen Kater. Die beiden waren nach wenigen Tagen schon ein Herz und eine Seele.
      Im Gegensatz zu den meisten größeren Tierschutzvereinen hast du beim Katzenschutz den Vorteil, dass du normalerweise ein längeres „Rückgaberecht“ hat und dass die Zusammenführung qualifiziert begleitet wird.
      Im Tierheim können die Tiere nur bedingt beurteilt werden. In kleineren Vereinen und besonders in speziellen Katzenschutzvereinen wid mit privaten Pflegestellen gearbeitet, wo man das Sozialverhalten der Katzen viel besser beurteilen kann als in einem Katzenhaus, in dem nur mal jemand zum Füttern und Reinigen und ab und zu auch mal zum Kuscheln kommt.

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  5. Zwei Katerchen

    Dem Rat habe ich vor ca. 3 Jahren Folge geleistet. zu unserer Omikatze kam ein Findelkind, welches gepäppelt werden musste. Damit der kleine artgerecht leben durfte, haben wir einen weiteren gleichaltrigen Kater dazu genommen. Aus anfänglicher Skepsis wurde Freundschaft mit gemeinsamem Kuscheln und gegenseitigem Putzen.
    HEUTE ist der Zweitkater das Schlimmste, was ich dem Findelkind antun konnte. Die beiden muss ich größtenteils getrennt halten. Die Charaktere sind dermaßen unterschiedlich, dass ein friedvolles Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Kater 2 vermöbelt Kater 1 so heftig, dass dieser nur noch verängstigt im Schlafzimmer lebt. Sobald ich die Tür öffne und Kater 2 evt. in der Nähe sein könnte, ist Kater 1 weg, versteckt sich.
    Ich bereue es zutiefst, dem Findelkind das angetan zu haben. Ich bin mir sicher, dass er ohne Kater 2 glücklicher wäre!!!

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    1. andrea Post author

      Ich vermute da ist was schief gelaufen. Das kann man aber wieder hinbiegen 🙂 Hast du schon mal überlegt einen Profi zu rate zu ziehen??

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      1. Zwei Katerchen

        Meinst Du, den Haudegen kann man umlenken?
        Profi? Ja. Das muss ich wohl.

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    2. Chris

      Schau nach einem guten PLATZ für KATER 2. Oder sogar für beide Kater.
      Das ist die einzige sinnvolle Möglichkeit.
      Und wenn Omi nicht mehr ist, kannst Du ja mal nach Geschwistern schauen.

      Ich hab auch so einen kleinen Randalekater Nr 3. Bin aber seher viel zu Hause. Und meine Wohnung ist gross.

      Viel glück

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      1. Zwei Katerchen

        Waaaas?
        Nein, definitiv schiebe ich das Problem nicht einfach weg.
        Und wenn Omi nicht mehr ist, einfach zwei neue? Unfassbar!

        Hier ist immer jemand im Haus, die Katzen haben ein komplettes Haus, viele Ausweichmöglichkeiten, Verstecke, Spielplätze und einen großen verwilderten eingezäunten Katzengarten mit Bäumen und Klettergeräten.

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        1. Angelika

          Es kann vorkommen, dass es zwischen den Katzen/Katern einfach nicht „passt“. Genauso wenig wie beim Menschen kann man bei Katzen einfach voraussetzen, dass sie sich verstehen bzw. auf Lebenszeit verträglich miteinander sind. Dann muss man tatsächlich auch abwägen, ob man sich nicht doch von einem der Tiere trennt, es zu einem passenderen Artgenossen vermittelt, und für das verbliebene Tierchen ebenfalls nach einem wirklich passenden Artgenossen sucht.
          Das Problem ist, dass die meisten Leute unbedingt Katzenbabys haben wollen. Dabei steht dann meist der Niedlichkeitsfaktor im Vordergrund. Je kleiner die Kätzchen sind, um so weniger lässt sich aber der Charakter erkennen. Im Alter von 3 bis 4 Monaten lässt sich da schon viel mehr erkennen.
          Da es für dich ausscheidet, eines der Tiere herzugeben (was auch völlig verständlich ist) würde ich eher noch nach einem passenden Artgenossen für den schüchternen Kater suchen.

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  6. Sandra

    Meine katze ( 3 Jahre ) war selber nur immer in der Wohnung , hatte auch eine junge 8 Wochen alte katze dazu geholt. Und die waren nach einer Woche unzertrennlich. Ich muss aber leider die kleine Katze abgeben, als ich um gezogen bin. Seit den wsr sie wieder alleine. Aber sie konnte raus und sie hat sich immer gefreut wenn sie draussen war. Und genossen hat sie es auch .

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  7. Sabine

    Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht!
    Nachdem Kater Gilbert schon ein gutes Jahr bei uns war (wir haben ihn mit 9 Wochen bekommen) haben wir uns entschieden ihm einen Spielkameraden zu holen.
    Ebenfalls ein Katerchen der zu dem Zeitpunkt ca. 5 Monate alt war.
    Tequila ist ein Tierschutz Katerchen. Er wurde in Bulgarien gefunden, war ca. 30-40 Tage alt und wog nur 350g. Keine Mama und keine Geschwister weit und breit. Der Gesundheitszustand von dem kleinen Kerlchen war alles andere als gut. Herpes Virus hatte er auch. Zum Glück noch nicht zu weit fortgeschrittenen und es konnte gut behandelt werden.
    Als er Anfang August letzten Jahres endlich zu uns kam mussten wir ihn leider gleich in Einzelhaft stecken da er Hautpilz hatte. Ehe jetzt jemand was sagt… Wir sind darüber informiert worden, dass zwei Tage vor dem Transport eine Stelle entdeckt wurde. Wir haben trotzdem entschieden, dass er kommen soll.
    Beide haben natürlich trotz Separierung sofort mitbekommen, dass da noch jemand ist.
    Nach 5 Wochen konnten wir die beiden endlich zusammen lassen.
    Und was soll ich sagen…
    Sie haben sich auf Anhieb verstanden!
    Es wird hier durch die Wohnung getobt, gekuschelt,geputzt…
    So schön anzusehen!!!
    Es war die beste Entscheidung unseres Lebens!!!
    <3

    Allerdings muss man bei Mini Tequila alles Essbare wegräumen. Auch muss man aufpassen, daß er dem Großen sein Futter nicht wegfrisst (Gilbert lässt ihn nämlich auch!).
    Das kommt daher, dass er damals kurz vorm Verhungern stand.
    Aber da wir das ja wissen stellt es auch kein Problem dar!

    Ich kann nur empfehlen eine Katze niemals alleine zu halten
    Gilbert ist total aufgeblüht nachdem er endlich einen Kumpel hatte!!!
    Die beiden sind Best Friends Forever!!!
    <3 <3 <3

    Reply
  8. Pingback: Der passende Katzenkumpel - Artgerechtes-Katzenleben.de

  9. Bittlingmayer, Regina

    Sehr interessanter Beitrag. Aber was ist denn „Pica“? Damit auch alle ohne Veterinärstudium es verstehen sollte man Fremdwörter bitte erklären 🙂
    RB

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    1. andrea Post author

      Pica (bzw das Pica-Syndrom) ordnet man den Essstörung zu.
      Bei der Katzen äußert es sich indem sie Dinge Fressen die an sich ungenießbar oder sogar gefährlich für sie sind (häufig Wolle, Plastik, Steine, Katzenstreu)

      Reply
    2. andrea Post author

      Danke für die konstruktive Kritik. 🙂 Ich werde in Zukunft darauf achten.

      Reply
  10. Karolin

    Ich hab die Erfahrung gemacht das wenn kleine Katzenkinder dazukamen, das immer recht schnell sehr gut geklappt hat, wahrscheinlich eine Art Welpenschutz. Aber sobald die Tiere ausgewachsen waren wurde es immer stressiger und die jungen haben meine ältere Katze immer total gestresst. ich mache mir da im Nachhinein große Vorwürfe.

    Momentan suche ich nun für meinen 3jährigen Findelkater einen Zweitkater und halte Ausschau nach gleichem Alter und ähnlichem Charakter, suche schon ewig. Und ja is halt wirklich die Frage was macht mann wenn es nicht klappt? Wohin dann mit der neuen Katze.

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    1. Angelika

      Gibt es in deiner Nähe einen privaten Katzenschutzverein? Dort kennt man die Schützlinge viel besser als in den meisten Tierheimen, weil ein Katzenschutzverein meist nur mit privaten Pflegestellen arbeitet. Dies bedeutet, dass die Katzen in Privathaushalten leben.

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  11. Chris

    Ist Kauen (nicht fressen!!) von Gegenständen auch schon Pica?
    Einer meiner Kater leckt an den Vorhängen und kaut gerne an Plastikfolien herum (z.B. von Sixpacks)… er war zwar nie eine Einzelkatze, aber leider schon mit 8 Wochen von seiner Mama weggekommen. :/
    Und was bräuchte so eine Katze dann „als Hilfe“ – Einzelhaltung ist ja nicht gegeben.

    Reply
    1. andrea Post author

      Um Pica zu diagnostizieren müsste man auch eine umfangreiche Anamnese machen und möglich Mangelerkrankungen ausschließen.
      Das kauen und lecken an „Plastiksachen“ muss nicht zwingend Pica sein.
      Viele Gegenstände die aus Plastik bestehen enthalten Weichmacher. Dieser Weichmacher ist für viele Katzen sehr anregen/interessant. Darum lecken und kauen viele Katzen besonders gerne an Plastik. 🙂

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    2. Angelika

      Dass einige Katzen gern an Plastikfolie knabbern, insbes. an der von diesen Sixpacks, erlebe ich auch immer wieder. Daher vermute ich, dass darin irgendwelche Stoffe enthalten sind, die diese Katzen gern mögen.
      Wenn sie aber an anderen Sachen kauen oder sie gar fressen, sollte man dies sicherheitshalber doch mal vom Tierarzt abklären lassen. Ich hatte schon eine Pflegekatze, die sogar Streu fraß (zum Glück gerade nicht-klumpende). Mir wurde dann geraten, ihr mehr Ballaststoffe zu füttern, z. B. kleingeschnittene Karotten und Äpfel. Nach einigen Tagen stellte sich das Verhalten tatsächlich ein.
      Wenn dein Kater mit 8 Wochen von der Mutter getrennt wurde, ist das zwar nicht schön. Aber wenn er dann auch gleich wieder Kontakt zu Artgenossen hatte, sollte sich keine solche Störung entwickeln.

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