Die Kastration gehört zu einem artgerechten Katzenleben dazu

By | 3. Januar 2017

 

Es gibt sehr viele Mythen und falsche Vorstellungen zum Thema Kastration bei Katzen. Einige habe ich bereits im vorherigen Artikel angesprochen.

Für verantwortungsvolle Katzenhalter steht fest: Kastration gehört zu einem artgerechten Katzenleben dazu. Eine Kastration ist nicht nur Tierschutz, sondern auch eine Gesundheitsvorsorge die das Leben der Katze verlängern kann.

Warum überhaupt kastrieren?

Unkastrierte Katzen leiden stark unter dem hormonellen Stress. Katzen können jung an Krebs (sexualhormon-induzierte Krebsformen) oder anderen gefährlichen Erkrankungen der Gebärmutter erkranken und sterben. (7,8)

Kater zeigen oft starkes Markierverhalten oder flüchten aus der Wohnung. Bei der Suche nach einem Sexualpartner geraten sie in große Gefahren. Nicht selten stecken sie sich beim Kämpfen mit anderen Katern oder beim Deckakt mit FIV, FelV oder anderen Erkrankungen an. Auch sind schwere meist tödlich verlaufende Autounfälle keine Seltenheit, da Kater auf der Suche nach Sexualpartnern weite Stecken zurücklegen.

Einige Argumente die für eine Kastration sprechen wären:

  • Die Gefahr an einer, mitunter in bereits in jungen Jahren tödlich verlaufende Erkrankungen der Gebärmutter, zu erkranken kann vermindert werden. (7,8)
  • Die Gefahr der Dauerrolligkeit kann ausgeschlossen werden.
  • Die Unfallgefahr für streunende potente Katzen wird verringert. Kastrierte Katzen streunen weniger. (6)
  • Der Tierschutzgedanke. Die Folgen unkontrollierter Vermehrung und das Elend auf den Straßen wird durch Kastrationen verringert.
  • Kastrierte Katzen und Kater markieren seltener. Der Urin stinkt weniger. (6)
  • Die Gefahren beim Deckakt mit FIV, FelV oder anderen Erkrankungen angesteckt zu werden kann ausgeschlossen werden. (6)
  • Reduziert die sexualhormon-induzierte Aggressivität gegenüber Artgenossen und Menschen. (6)
  • Eine Kastration erhöht die Lebenserwartung. Da oben genannte Punkte verringert/verhindert werden.

Nicht vergessen! Kastrationspflicht

Wenn die bisher genannten Argumente in Bezug auf den gesundheitlichen Vorteil einer Kastration für eure Katzen nicht ausgereicht haben. Dann gäbe es da noch die Kastrationspflicht für Freigänger.

In einigen Städten und Gemeinden in Deutschland (und Österreich) sind Katzenbesitzer deren Katzen regelmäßig nach draußen gehen, dazu verpflichtet diese zu Kennzeichnen und sie kastrieren zu lassen. Bei einer Zuwiderhandlung muss mit einem Bußgeld gerechnet werden.

Diese Kastrationspflicht war längst überfällig. Es ist schade dass sie >noch nicht< bundesweit gilt.

Es wird aber von Seiten des Tierschutzes hart dafür gekämpft.

Kastration? Sterilisation? Was denn nun?

Ein wichtiges Thema ist auch Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation bei Katzen. Denn auch heute werden Katzen noch sterilisiert, wenn der Halter danach verlangt. Leider ist vielen Menschen nicht bewusst das sowohl Kater als auch Katze kastriert werden müssen. Fälschlicherweise glaubt man dass nur Kater kastriert, Katzen aber sterilisiert werden. Nach einer Sterilisation sind Katzen zwar unfruchtbar, leiden aber immer noch unter den Hormonen. Auch vor den sexualhormoninduzierte Erkrankungen sind sie nicht sicher.

Bitte sowohl Kater als auch Katzen immer KASTRIEREN.

Unterschied Kastration – Sterilisation:

Kastration

Bei einer Kastration werden Eierstöcke oder Hoden vollständig entfernt.

Durch die Entfernung dieser sexualhormonproduzierenden Organe werden die Tiere unfruchtbar gemacht. Es tritt nach einer Kastration kein Sexualverhalten mehr auf und die Risiken für sexualhormonindizierte Gebärmuttererkrankungen sinken auf ein Minimum.

Auch Kater profitzieren von der Kastration. Sie prügeln sich weniger, markieren weniger und das Streifgebiet verkleinert sich.

Sterilisation

Die Sterilisation unterbindet die Fortpflanzungsfähigkeit zwar genauso wie die Kastration. Im Unterschied zur Kastration werden bei der Sterilisation aber nicht die Eierstöcke/Hoden entfernt, sondern Eileiter/Samenleiter werden nur abgebunden und die Organe verbleiben im Körper.

Dadurch bleibt das Sexualverhalten gleich. Auch die hohen Risiken für sexualhormonindizierte Gebärmuttererkrankungen bleiben bestehen. Da Eierstöcke/Hoden weiterhin Hormone produzieren.

Kastrationszeitpunkt/ Frühkastration

Es gibt viele verschiedene Meinungen wann denn nun der richtige Zeitpunkt für eine Kastration bei Katzen ist.

Für mich steht nach intensiver Recherche fest, der beste Zeitpunkt ist noch VOR der Geschlechtsreife. Da einige Tiere bereits mit 4 Monaten geschlechtsreif werden halte ich eine Frühkastration (6. – 16. Lebenswoche) für sinnvoll.

Frühkastrationen sind auch für das Tier schonender. Die Narkose ist in der Regel kürzer und der Eingriff ist einfacher durchzuführen da die Geschlechtsorgane noch nicht von Fettgewebe umwachsen. Dadurch gibt es weniger Komplikationen und die Katze ist schneller wieder fit. (1,2,5)

In den USA werden Katzen bereits seit Jahrzehnten frühkastriert. Es wurden zahlreiche Studien und Untersuchungen durchgeführt ob eine Frühkastration schadhaft für die körperliche und geistige Entwicklung der Katze ist. Sie kann also bei gesunden Tieren ohne Bedenken durchgeführt werden.(3,4)

Vor- und Nachsorge

Vor der Operation/dem Operationstermin wird die Katze meist untersucht und der Halter über den Ablauf des Eingriffs aufgeklärt.  Auch wird der behandelnde Arzt festlegen wie lange das Tier nüchtern sein muss (nicht fressen darf). Normalerweise etwa 8-10 Stunden vor der OP. Es ist sehr wichtig dass diese Zeit eingehalten wird. Erbricht die Katze während der Narkose kann der Futterbrei in die Luftröhre geraten. Es kann zu einer schlimmen Lungenentzündung kommen oder die Katze kann ganz ersticken. Deswegen unbedingt den Anweisungen des Arztes folgen.

Das Krankenlager und die erste Zeit nach der OP

Ihr könnt der Katze für den Tag nach der Operation ein ruhiges, abgedunkeltes und warmes Plätzchen einrichten. Die Katze wird nach der Operation womöglich noch recht wackelig auf den Beinen sein. Auch kann sie in dem Zustand empfindlich auf Licht und Lärm reagieren. Deshalb ist ein abgedunkeltes Zimmer ohne hohe Klettermöglichkeiten von denen sie möglicherweise abstürzen kann das beste Krankenlager.

Auch solltet ihr überlegen ob es in eurem Fall sinnvoll ist die Katze die ersten Stunden von ihren Katzenfreunden zu trennen. Häufig kann es durch den fremden Geruch an der Katze und das ungewohnte Verhalten zu Konflikten im Katzenverband kommen.

Futter/Wasser sollte erst wieder angeboten wenn die Katze ganz Herr ihrer Sinne ist. Bei manchen Katzen geht dies recht schnell, andere brauchen, wenn die Operation früh morgens durchgeführt wurde, bis zum Abend um wieder klar zu sein.

In den ersten Tagen nach der OP sollte die Katzen nicht zu wild spielen oder springen. Auch solltet ihr hin und wieder einen Blick auf die Wunde werfen um zu sehen ob alles ordentlich und ohne Komplikationen abheilt.

Brauchen wir einen Kragen?

Nach einer Kastration wird oft empfohlen die Wunde zu schützen, damit die Katze sich nicht aufbeißt oder sich wundleckt. Meist bekommt man dafür vom Arzt einen für die Katze eher unangenehmen Plastikkragen mit. Dieser Plastikkragen schränkt die Katze aber nicht nur beim Lecken, sondern auch im Alltag stark ein. Als Alternative werden mittlerweile in vielen Shops Katzen oder Kastrationsbodys angeboten. Wenn ihr den Kauf völlig verschwitzt habt, oder euch die angebotenen Bodys schlicht zu teuer sind, könnt ihr hier nachlesen wie man diese Bodys schnell, einfach und ganz ohne Nähen selbst machen kann:

Katzenbody/Kastrationsbody schnell selbst machen ohne Nähen

 

Quellen/Referenz:

  1. Early Spay-Neuter: Clinical Considerations
  2. Surgical techniques for neutering 6-14-week-old kittens – Aronsohn, Faggella
  3. Long-term outcome of gonadectomy performed at an early age or traditional age in cats. -Howe, Slater, Boothe,
  4. Long-term risks and benefits of early-age gonadectomy in cats. – Victor Spain, Janet Scarlett, Katherine Houpt
  5. Determining the optimal age for gonadectomy of dogs and cats – Margaret V. Root Kustritz
  6. Pros and cons of gonadectomy in female and male cats – Reichler
  7. Association between Ovarihysterectomy and Feline Mammary Carcinoma – Overley, Shofer, Goldschmidt, Sherer, Sorenmo
  8. Feline mammary tumors: A case-control study of hormonal factors- Misdorp, Romijn, Hart

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